Gimmickmüll 2011

Es ist wieder diese stille Zeit im Jahr, an der wir uns auf den Gimmickmüll besinnen. Auf das Schlechteste, Sinnloseseste oder Absurdeste besinnen, das SAW 2011 hervor gebracht hat. Auf die Nachfolger der Great Gröhlis, Scott Steiners, Mr. Wrestling Classics und wie sie nicht alle heißen. Es ist Zeit für den Gimmickmüll von SAWs bisher stärkstem Jahr, dem Gimmickmüll 2011!


WrestleMania Main Event

Was kann man über dieses Thema schreiben, was nicht bereits geschrieben wurde? Man kann vielleicht noch erwähnen, dass hier mehr Potential vernebelt wurde, als Cyrus das in all den Jahren davor zusammen gemacht hat. Da hat man DDP, den erfolgreichsten Wrestler aller Zeiten, ungeschlagen und trotz seines Erfolges beliebt – dazu gespielt von einem der besten SAW-Schreiber überhaupt. Dann John Cena, einen der beiden größten SAW-Superstars aller Zeiten, beliebt wie eh und je, Rumble-Sieger und dazu hatte er grade erst DDP so nah an einer Niederlage wie keiner zuvor. Und Chris Hero, ebenfalls gerade auf einer massiven Erfolgswelle geritten, der als Wildcard auch nicht unbeliebt war und für den das der große Durchbruch sein sollte. Was dabei heraus kam war, leider traditionell bei WrestleMania, eine der schlechtesten Fehden aller Zeiten. Trauriger Höhepunkt war dann die Konferenz, bei der DDP beinhart sagt, dass er die letzten 3 Wochen, die Cena und Hero mit irgendwelchen Interviews einfach nur rumgdreht hatten, in Disneyland war. Die Worte, um diese Situation zu beschreiben, wurden noch nicht erfunden.


Alles nur gespielt

Der Titel ist vielleicht nicht ganz optimal gewählt, denn hier soll es allgemein um einige merkwürdige Praktiken von C van Dams Backlash-Wrestlern gehen. Alleine schon, dass er jeden zweiten Wrestler, den er je gespielt hat, binnen 2-3 Wochen in die Shows zurück gebracht hat, mutet schon seltsam an – zumal viele davon ein halbes Jahr zuvor schon ein Mal für wenige Shows zurück kamen. Was dann teilweise mit Steve Austin, aber im Speziellen mit Sting passiert ist, könnte man hier als ganz eigene Kategorie führen. Woche für Woche nahezu das gleiche Segment, mit einem Sting, der selber nicht wusste, was er nun eigentlich will; und besonders, was er nun eigentlich sagen soll. Der Höhepunkt war aber, sich am Ende hinzustellen, und die ganze Storyline, anstatt sie simpel abzuhaken, mit „alles nur gespielt!“ noch einmal im Nachhinein restlos mit Fragezeichen zu füllen. Zufall, dass Edge eine Woche später die Spiegel-Storyline exakt gleich behandelt hat? Ich glaube nicht.


Endlich bin ich Hassan los – wir bilden jetzt ein Tag Team!

Nein, ich habe es nicht vergessen. Und auch wenn die Camels danach eins der besten Tag Teams der SAW-Geschichte geworden sind – die Geschichte ihrer Entstehung hat schon damals ein ganz eigenes Audiofeedback bekommen und ist bis heute der vielleicht größte Unsinn bei SAW überhaupt. Wer die Details wissen will, dem empfehle ich wärmstens das Audiofeedback zu Backlash 17, das nur 20 Minuten lang ist, wovon gut die Hälfte genau dieses Thema anspricht; und welches bis heute genau meine Meinung widerspiegelt. Da schreibt der Escape von November bis in den Februar hinein eine tolle Story; in der der Marlboro Man wieder mit William Regal teamen möchte, aber Regal das nicht mehr möchte. Dann kommt es im Rahmen einer Fehde gegen Kurt Angle zu einem Match bei SAWolution, welches Regal gewinnt. Dadurch, dass er gewinnt, ist das Kapitel Hassan endgültig abgeschlossen – und beim nächsten Backlash gibt Regal bekannt, dass er ab sofort freiwillig wieder mit dem Marlboro Man teamt, und auch der Name „Royal Camels“ wird ihnen vertraglich aufgezwungen. Bei allen tollen Segmenten der Royal Camels, hier hat sich Escape ein ganz eigenes Denkmal gesetzt, das in die Geschichte eingegangen ist.


Latino Nation

Cyrus hat wohl gedacht, er ist schlauer als ich. Er hat sich gedacht, wenn er die Latino Nation in LAX umbenennt, wenn er Chavo, Joe und Rey durch Hernandez ersetzt, und wenn er statt lateinamerikanischen Flaggen eine zweite Tequila-Flasche benutzt, dann erkenne ich die Latino Nation nicht mehr. Und dann hat er auch noch gedacht, wenn er den beiden vernünftige Gimmicks gibt, die er langfristig durchzieht, wenn er ordentliche Fehden schreibt und gute Matches hat, dann landet die Latino Nation nicht mehr im Gimmickmüll. In der Theorie eine gute Idee, und bei einem anderen GM wäre der Plan vermutlich auch aufgegangen. Aber nicht bei mir – ich vergesse niemals! Die Latino Nation hatte schon 2007 genügend Gimmickmüll für die nächsten zehn Jahre gesammelt. Da hilft auch ein starkes 2011 nicht. Niemals. Und außerdem: Warum LAX als Name? WARUM?


Wir sehen, wie Sheamus in der Halle ankommt, wie er durch die Gänge geht, und wie er die Halle wieder verlässt. Manche würden jetzt sagen, da hat der AfRo mal versucht, Atmosphäre in der Storyline aufzubauen. Zwar dürften einige nicht schlecht gestaunt haben, als Sheamus alle Sheamus-Segmente bei der Anniversary Show über ein halbes Jahr danach erklärt hat – doch damals waren die Segmente natürlich ausgemachter Unsinn. Ein Ire, der Präsident werden will, der GM macht gemeinsame Sache mit der Republikanischen Partei, und Sheamus darf vertraglich nur seine Catchphrase sagen. Nach dem Fluch der Piraten, George Hackenschmidt und Dancing Henry hat der AfRo also auch 2011 wieder ausgemachten Blödsinn aus dem Hut gezaubert – und dieses Jahr eindeutig den Vogel abgeschossen.

Mein Name ist Sheamus, ich bin Ire, und ich habe nichts gegen Amerika, danke!


Please don't attack the Wrestler
 

Stellvertrend nicht nur für alles schlechte Englisch, das es dieses Jahr in den Shows zu bewundern gab, sondern auch für jedes fehlende Komma (und das nicht nur in Delirious-Segmenten), jedes falsch gesetzte das/dass, jedes falsche seid/seit und alle Alfosnos und Connros diese Welt steht hier dieser schöne Satz, der um ein Haar die neue Tagline für das Logo geworden wäre. Die Menge an Rechtschreib- und Grammatikfehlern war in diesem Jahr unbestritten so hoch wie noch nie und hat so manches Segment dieses Jahr zerstört. Unvergessen ist Chayne Saws legendäres unlesbares Segment, wie generell manche Chayne- und CvD-Segmente, die in diese Kategorie fallen. Allerdings kann sich so gut wie kein Mitspieler dieses Jahr ausnehmen – speziell wenn man auch Ausdrücke wie „florierende Gehirne“ miteinbezieht.


Ich hole jetzt mal tief Luft und versuche, nicht zu kritisieren, dass der Follower seit nunmehr gut einem Jahr den potentiell beliebtesten SAW-Wrestler aller Zeiten schrittweise zum Jobber bzw. Non-Wrestler degradiert hat, indem er ihn mit Hao Mi Ned „teamen“ lässt und in jeder ECW Show einen neuen Kimono geschenkt bekommt. Kritisiert werden soll lediglich die hanebüchene Storyline, die Jens und sein japanischer Freund mit dem chinesischen Namen seit fast einem Jahr abziehen. Hao Mi Ned bringt Jens jede Show einen neuen Kimono, und ansonsten scheint Jens sich für nichts Anderes zu interessieren. Schon gar nicht für das Wrestling. Einige mag das nicht stören, aber für mich ist Jens mittlerweile völlig uninteressant geworden – da helfen auch die zuletzt besseren Segmente mit und um Veh Khali nur bedingt.

Kimono-Jens


Zauberkreide

Fängt man im Gimmickmüll einmal mit ECW an, kommt man nicht mehr davon weg. So war das zumindest in den vergangenen Jahren, doch dieses Jahr hat ECW endlich den Sprung geschafft und ist nicht mehr eine Ansammlungen von schlechten Witzen und abgedrehten Segmenten. Gar nicht mehr? Nicht ganz, denn ein kleiner Interviewer, der einem Hall of Famer nachempfunden ist, hält weiter wacker die Flagge des Unsinns empor, welche sogar die Brandts nur noch auf Halbmast haben. Der realmansman tauchte dieses Jahr in Bierfässern auf, sprang von vorbeifahrenden LKWs, kam aus dem Lüftungsschacht und platzierte sich auch ansonsten überall da, wo die ECW-Wrestler einen Interviewer am Wenigsten erwarteten. Unrühmliches Highlight des Ganzen war, als der Fredy ihn sich aus Zauberkreide materialisieren ließ – und da hörte selbst für diejenigen der Spaß auf, die bei ECW Shows nur wegen blöden Witzen überhaupt erst ihr Teamspeak öffnen. Immerhin muss man dem Fredy danken, dass dadurch letzten Endes erst eine Diskussion ins Rollen kam, an deren Ende die ECW Shows langsam ernsthafter wurden. Dank der besonderen Art gebührt hier natürlich auch dem Follower, der diese ganze Geschichte überhaupt erst begonnen hatte.


Die Halle rastet aus, denn sie sind dominant!

2011 gab es eine ganze Reihe an Wrestlern, die erst einen kometenhaften Aufstieg erlebten und dann schlagartig verschwanden. Noch am Besten traf es da die Leaders of the New School, die 2011 erst debütierten und trotz diverser Schicksalsschläge immerhin zum Tag Team des Jahres nominiert wurden. Und eigentlich lief auch vieles sehr gut für die beiden, bis auf zwei gröbere Ausnahmen. Brandaktuell sind im Moment die Diskussionen über Zuschauerreaktionen in Segmenten, die in letzter Zeit reichlich ausgereizt wurden und meistens die Leser mehr verwirrten, als zur Atmosphäre beizutragen. Begonnen hat das alles schon vor über einem halben Jahr, als die Zuschauer in der Halle völlig ausrasteten, wenn die gerade erst debütierten Tyler Black und Wade Barrett zum Ring kamen – Chayne hat hier also eine gewisse Vorreiterrolle, die scheinbar nicht allen als abschreckendes Beispiel im Kopf geblieben ist. Das wäre ja noch zu verschmerzen gewesen, aber richtig Schaden nahmen die Leaders erst durch ihre Fehde mit den Fear of Faces. Woche für Woche bekamen die beiden so repetitiv wie möglich auf die Mütze, behaupteten dabei aber stets, ach so dominant zu sein. Eine auf dem Papier scheinbar gute Idee führte leider lediglich dazu, dass die Leaders niemand mehr ernst nahm – und letzten Endes wohl auch zu ihrem leider vorzeitigen Ende.


Um ein Haar hätte ich noch das Stable vergessen, das 2011 ganz bewusst Gimmickmüll produziert hat – allerdings stets zusammen mit genügend Ernsthaftigkeit, um nicht völlig in die Absurdität zu geraten. Davon blieb allerdings trotzdem stets reichlich in den Segmenten. Alleine schon die Idee, den Dungeon of Doom nahezu 1:1 zu kopieren, hat dem Dungeon einen Platz im Gimmickmüll frühzeitig gesichert. Der Name, die Fear of Faces, der Master Mick Foley und der Taskmaster James Mitchell inklusive der dunklen Höhle, die absolut genialen Catchphrases, Goldberg als maskierter Mexikaner, Mark Henry als Mark Attack – es gab so viele Details, die alle irgendwo Sinn machten und meistens sehr gut ankamen; aber die Grundidee der speziellen Gimmicks war in den meisten Fällen doch großer Humbug. Den Höhepunkt setzte schließlich Abyss, nachdem der Dungeon Foley in seiner Höhle begrub, das Monster einen Stein vor den Eingang rollte und dann auf einer Okarina spielte – zu Recht zum Segment des Jahres nominiert. Es gibt hundert verschiedene Arten und Weisen, wie man den Dungeon in Erinnerung behalten kann – der Gimmickmüll ist eine davon.

Mercedes Benz ist Playmobil